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Grenzverkehr

Die Schweinegrippe – sie läßt mich einfach nicht los. Eine Frau ist nach der Impfung gestorben, zwei Männer gerade noch mal so mit dem Leben davongekommen.

Die Wutzenfreck, wie wir sie hier im Saarland schelmisch betiteln, hat den ganzen Globus infiziert; wie weiland die Fußball-WM 2006 oder 2007 oder war’s doch 1974. Na ja, egal. Was sind schon Zahlen in der Realität des Lebens? Sieht man ja an unseren Bankstern und den Politgangs. Zahlen bestehen doch hauptsächlich nur noch aus irgendwelchen nachfolgenden Nullen. Aber zurück zur Wutzenfreck. Ich kenne einen Kollegen eines entfernten Bekannten meines Bruders; dessen Schwager hat in Bouzonville, also Ausland, einen Schweinezuchtbetrieb. Eher so nebenher, neben der hauptamtlichen Arbeit bei Ford auf’m Röderberg. Dieser gute Freund hat mir nun im Vertrauen verraten, wie er seine Porc’s vor dem Virus schützen tut.

Zuerst verfrachtete er seine drei Sauen, samt Nachwuchs, in den Schuppen nahe des alten Gipsstollens und seinen, schon etwas betagten Zuchteber, brachte er in der Kammer hinter dem ehelichen Schlafzimmer unter. Er meinte, daß das Virus jetzt ungestört seinen Hof überennen könne, ohne, jetzt durch die nicht mehr vorhandenen Schweine, aufgehalten zu werden. Da ich Viren generell nicht auf Anhieb vertraue, meinte ich zu diesem Schwager des Bekannten meines Bruders, daß diese Viren den Weg von Mexiko bis zu uns ja auch gefunden haben und sie deshalb vermutlich auch die Kammer und den Schuppen beim alten Gipsstollen durchsuchen würden.

Der Schwager, ich nenne ihn mal den naiven Grenzgänger, meinte daraufhin, daß er nun mit der ganzen Wahrheit nicht mehr hinter den Berg halten könne und er offenbarte mir nun auch sein letztes Geheimnis. Er erzählte mir, den Tränen nahe, daß er seine Schweine schon vor Wochen gegen Keuchhusten hätte impfen lassen und sie – und nun kommt es – täglich Antibiotika schlucken müßten, weil sein alter aber immer noch rüstiger Eber des Nachts seinen Stall zerdeppert habe und sich bei der anschließenden außerehelichen Sauerei bei der Sau des Nachbarhofes vermutlich einen Tripper eingefangen hätte. Die Keuchhustenimmunisierung und die täglichen 10000ie Gaben Peniscillin dürften wohl jedes noch so weit gereiste Virus töten, zumindest aber abschrecken. Tja, so sind sie, die Grenzgänger.

Bei soviel Gottvertrauen und unerschütterlichem Glauben an Baxter un Co konnte ich diesem ausländischen Schwager nur noch meine Bundeswehrrestbestände an Urgoderm anbiedern. Gasmasken und Dekontaminationsspray aus Ex-DDR Beständen müssen nun wohl über ebuy ihre Liebhaber finden.

Das Gespräch mit dem französisch sprechenden Schwager aus der Nähe von Bouzonville fand dieser Tage auf der Martinsfeier des Zwerghühnerzüchterverbandes e. V. auf der Toilette statt. Wie ich aus gut unterrichteten Kreisen des Angelsportvereins „Mittlere Wolga“ e. V. erfuhr, hat nahe Bouzonville ein illegaler Markt stattgefunden, auf dem – man höre und staune – ein Eber und drei Sauen samt Nachwuchs, fachmännisch zerteilt, Abnehmer gesucht hätten. Dies läßt in mir die Vermutung aufkeimen, daß das Wutzenfreckvirus doch erheblich raffinierter ist, als das RKI und die WHO bisher zugeben. Bei besagten, zum Kauf angebotenen Schweinereien kann es sich somit wohl nur um den Nebenerwerb des Grenzgehenden Fordmitarbeiters handeln.

Ab sofort kaufe ich mein Schweinefleisch nur noch bei Ali Ben Jussuf direkt hinter der Moschee.

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