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Frank Walter, du alter Haudegen!

Jetzt also führst du die Opposition im deutschesten aller Bundestage, schaust Angela und Guy d’Eau (gefällt mir zu gut) auf die Finger und klopfst auch mal drauf – wenn’s denn irgendwann mal nötig sein sollte. Und warm anziehen sollen wir uns – ich bin auch einer der Wahlniederlagenbelächler – denn du willst uns einheizen. Das verstehe ich nicht so ganz. Wäre es da nicht besser, uns nackig zu machen oder besser noch, du klaust uns die letzten Reste des Holzes, aus dem ganze Kerle geschnitzt werden. Das Holz, an das du die Wahrheit aufgeknüpft hast.

Du, Frank Walter, und der andere alte Mann der Sozialdemokraten haben ja dann beschlossen, die Last der Führung der Splitter Partei Deutschlands auf sechs Schultern zu verteilen. Vier breite und zwei weniger breite. Den Staturen der ausgewählten Schultern nach zu urteilen, wird das höchstens wieder eine Hängepartie; aber die Führung weiß ja wohl was sie tut. Nur mal eine Frage so am Rande. Wäre es nicht klüger und von wirklichem Vorteil für die SPD gewesen, junges, frisches Blut künftig durch ihre Adern zu jagen, anstatt altes, mit sämtlichen neoliberalen Schadstoffen behaftetes, träges Blut? Du meinst auch, daß die neue Führung jetzt Verantwortung tragen muß, damit die Volksparteilichkeit gewahrt wird. Habe ich das richtig verstanden? Was war denn in den letzten elf Jahren mit der Verantwortlichkeit der Führung der SPD als Volkspartei? War wohl nicht ganz so wichtig. Zwischen Sollen und Tun liegen manchmal Welten – hauptsache der Name stimmt, gell!

Aber so ganz hast du es doch noch nicht kapiert. Du bist immer noch der Ansicht, daß du und deine Genossen gute Arbeit geleistet haben. Gute Reformen bedürfen mehr als nur gutem Willen. Wenn, wie bei euch, der auch noch fehlt, was kann dann an den Reformen gut werden oder sein!? Ihr habt doch gesehen, was beim Hartz rausgekommen ist. Ihr habt die Menschen, hauptsächlich auch noch eure Wähler, arm gemacht. Habt sie ihrer Würde beraubt und habt sie an den Rand der Existenz gebracht – Sehr viele – die meisten – werden sich nie mehr von euren Reformen erholen. Sie werden, resignierend die Einen und randalierend die Anderen, ihre Existenz fristen und vielleicht in dem ein oder anderen Moment doch noch einmal – vergeblich aber – Hoffnung schöpfen wollen. Das sind eure Reformen; aber sie sind gut! Das meinst du doch auch, oder!?

Jetzt kommt so mir nichts dir nichts ein neues, altes Ostprodukt und will euch euer Patent auf das „Soziale“ klauen. DIE LINKE, so nennen sich diese Ideendiebe. Und euer, na ja jedenfalls war er mal euer, Oskar ist der Drahtzieher dieses Gaunerstücks. Dieser Kapitän des Schiffes der untergehenden Sozialdemokratie hat es doch tatsächlich gewagt, seinen Kahn vor den Ratten zu verlassen. Die sind ja bekanntlich immer noch da und halten sich verzweifelt an den Resten des havarierten Kahns fest. Wo war ich? Ach, ja, beim Flüchtlingskapitän Oskar. Dieses Urgestein sozialdemokratischer Politik hat sich mit den Alt-DDRlern Gysi und Bisky zusammengetan und versucht nun, Sozialdemokratie neu zu beleben. Er wirbt sogar beim gemeinen und gebeutelten Volk um Vertrauen und dabei setzt er auf Werte, die so gar nichts mehr mit eurer SPD gemein haben. Da geht es zum Beispiel um Existenz sichernde Löhne, gerechtere Besteuerung von Vermögen – ja, ich meine richtig große Vermögen, nicht die popeligen Sparbücher von Lieschen und Herta – da geht es auch um sichere Renten, von denen man sogar leben können soll, da geht es auch um eine effiziente Bildung – und das auch noch für alle, sogar für Hartz IV Kinder. Ach, der alte Mann aus dem Westen und die beiden alten Männer aus dem Osten – wie verschieden sie doch waren und wie einig sie sich wurden. Da könntet ihr mal in die Lehre gehen; du und dein Freund Münte und dessen Freund Struck und wie sie noch alle heißen mögen. Es lohnte die letzten Jahre nicht mehr, sich die Namen einzuprägen. Sie standen sowieso auf jeder Ungerechtigkeit und waren allgegenwärtig in der heutesoap und der tagestalkschau.

Du und deine Mannen/Frauen – ihr habt die soziale Seele Deutschlands dem Teufel des Mammons geschenkt, noch nicht einmal verkauft. Ihr habt gegeben, als wenn es euch gehören würde. Ihr habt von uns genommen, was immer ihr kriegen konntet. Ihr habt uns geknebelt durch den Entzug der wirtschaftlichen Grundlage und ihr habt uns geschlagen durch den Raub unseres gerechten Lohnes. Dies alles habt ihr denen gegeben, die auch euch letztlich nur benutzen. Ihr werdet es noch merken. Und hier und jetzt sagst du, ihr wäret sozial. Ihr wäret die Stimme der Gerechtigkeit und die Hüter der Moral. Willst du wirklich, daß ich versuchen soll, dir das zu glauben? Willst du mich und meinesgleichen wiederum demütigen und immer noch weiter belügen? Willst du das? Was hast du getan gegen die Ungerechtigkeiten der letzten Jahre, was haben deine Parteigenossen getan wenn wieder Leute in großem Stil entlassen wurden, wenn Banken Renditen im zweistelligen Prozentbereich erwirtschaftet, daß ich nicht lache, erwirtschaftet – haben? Habt ihr nur einmal nach unten geschaut auf die Menschen, die euch das alles ermöglicht haben? Wenn du jetzt ja sagst, dann sind Scham und Reue dir fremd. Wenn du nein sagst, dann bist du kein wirklicher Mensch mehr. Dann bist du nur noch eine fressende Kreatur.

Ich verrate dir jetzt mal ein Geheimnis. Auch ich war mal in der SPD, sogar einmal im Ortsrat. Sogar noch lange Jahre nach dieser Zeit war die SPD mir politische Heimat. Auch ich war zu Anfang der Schröderzeit geblendet, konnte mir nicht vorstellen, was und wie das alles noch kommen würde. Euer Drehbuch war spannend geschrieben und mit exzellenten Schauspielern waren die Rollen besetzt. Doch bis ich merkte, daß die Wirklichkeit der Schauplatz eurer Inszenierung war, war es zu spät.

Spät habe ich gelernt. Für mich selbst ist nichts mehr zu ändern; aber ich habe Kinder und Enkelkinder und jeden Tag sehe ich Schüler und Jugendliche, sehe Mütter mit Kindern, sehe Männer in Arbeitsklamotten und ich sehe alte Frauen und Männer die ihr Leben gelebt haben. Und wenn ich meinen Gedanken nachhänge, dann merke ich, daß viele dieser Menschen nicht mehr unbeschwert und glücklich sind. Ihre Gesichter verraten es. Manchmal kommt es mir so vor, als wären diese Menschen eine Herde. Durchnummeriert und gleich gekleidet, keine Spur von Individualismus, keine Regung außerhalb des Taktes.

Frank Walter. Wenn du wirklich den Menschen neue Hoffnung geben willst, begrabe eure alten Fehler. Sag mea culpa und meine es ernst. Menschen sind, trotz allem Unrecht das ihnen widerfährt, die Heimat der Seelen und ein Teil einer unvorstellbaren Gemeinschaft. Menschen sind auf dieser Welt, weil es ihr Platz ist – sie haben sonst keinen. Menschen haben das Recht, auf dieser Welt in Würde zu leben und Jeder hat die Pflicht, diesem Recht Geltung zu verschaffen. Wenn du und deine Genossen das in eurer Politik umsetzt, dann gebührt euch Anerkennung und Achtung; aber nur dann.

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